Ein Blick in den geöffneten LHCb-Detektor.
Foto © Maximilien Brice, Julien Ordan | CERN

Das LHCb-Experiment konzentriert sich auf die präzise Vermessung von Zerfällen leichter Teilchen, die ein Beauty- oder Charm-Quark enthalten.

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internationales Logo der LHCb Kollaboration

Im Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall sollte es Materie und Antimaterie in gleicher Menge gegeben haben. Heute ist aber nur Materie übrig. Was ist mit der Antimaterie passiert? Haben wir unsere Existenz möglicherweise einem Zufall zu verdanken? Und was verraten die Untersuchungen der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Teilchen und Antiteilchen über bisher unbekannte Physikphänomene im Universum? Diesen Fragen geht das internationale Team aus Wissenschaftler*innen nach, das das LHCb-Experiment am Large Hadron Collider (LHC) betreibt.

Die LHCb-Kollaboration interessiert sich dabei vor allem für Kollisionen, in denen b-Quark-Paare produziert werden. Die Herausforderung dabei ist, dass es zwar extrem viele davon gibt, aber nicht alle automatisch interessant sind. Um die interessanten Ereignisse herauszufischen – also sozusagen nicht die Nadel im Heuhaufen, sondern die Nadel im Nadelhaufen zu finden – braucht man spezielle Detektortechnologien und Softwarelösungen.

Mitarbeiter*innen laufen durch die Halle des LHCb-Experiments.
Foto © Maximilien Brice, Julien Ordan | CERN

Der Detektor

Der LHCb-Detektor ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zunächst einmal ist er der einzige Großdetektor am LHC, der nicht zylindrisch, sondern in vertikalen Scheiben angeordnet ist. Die erste „Scheibe“ bzw. der erste Subdetektor befindet sich ganz in der Nähe des Kollisionspunkts. Die anderen Subdetektoren folgen hintereinander auf einer Länge von 20 m und tragen mit unterschiedlichen Informationen (z.B. Flugbahn, Impuls oder Energie der Teilchen) zum Gesamtbild der Kollision bei. Diese Anordnung fängt vor allem „vorwärtsgerichtete“ Teilchen auf, die in kleinen Winkeln zum Strahl in Richtung des Detektors fliegen. Hier finden sich die Teilchen, die die Forschenden genau untersuchen wollen.

Eine weitere Besonderheit des LHCb ist seine Präzision. Die Forschenden können aus den Tausenden von Teilchen, die in den Kollisionen entstehen, jedes einzelne identifizieren und rekonstruieren – und das, obwohl viele von ihnen nur eine sehr kurze Zeit lang existieren, bevor sie wieder zerfallen. Der Trick dabei ist, den Teilchen wenig Material in den Weg zu legen, um ihre Bahn möglichst unverfälscht nachvollziehen zu können. Denn je weniger Detektorlagen es gibt und je materialärmer diese sind, desto geringer ist die Chance, dass die leichten B-Teilchen und ihre Zerfallsprodukte abgelenkt werden.

Internationale LHCb-Website

Aktuelle Forschungsfragen

Durch die Untersuchung von B-Teilchen erhalten die Forschenden Informationen über das Universum, seine Geschichte und die Regeln, nach denen es funktioniert. Bei der Untersuchung ihrer Verhaltensweisen haben die LHCb-Forschenden schon viele Besonderheiten entdeckt. Dazu gehören u.a. eine Reihe von neuen Teilchen, die sich aus mehreren Elementarteilchen zusammensetzen und beim Zerfall von B-Mesonen entstehen, sowie ein vorher noch nie beobachtetes Ungleichgewicht im Zerfall von D0-Teilchen.

Ein Blick in den geöffneten LHCb-Detektor.
Foto © Maximilien Brice, Julien Ordan | CERN

Das LHCb-Experiment – Steckbrief

Maße:

  • 10 m Höhe, 13 m Breite, 21 m Länge
  • > 5000 Tonnen Gewicht

Standort:

  • Ferney-Voltaire, Frankreich

Internationale Kollaboration:

  • 19 Länder
  • ~ 1500 Mitarbeiter*innen

Deutsche Beteiligung:

  • 7 Institute
  • ~ 90 Wissenschaftler*innen
  • > 40 Doktorand*innen
  • > 70 abgeschlossene Promotionen
Logo des BMBF-Forschungsschwerpunkts LHCb

BMBF-Forschungsschwerpunkt LHCb

Deutsche Universitäten und außeruniversitäre Forschungsinstitute beteiligen sich an der internationalen LHCb-Kollaboration. Finanziert werden sie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über sogenannte Forschungsschwerpunkte (FSPs). Zum FSP LHCb gehören die Universitäten Aachen, Bochum, Bonn, Dortmund und Heidelberg. Sie werden unterstützt von Theoretiker*innen aus Siegen und Dortmund. Auch das Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg ist an LHCb beteiligt.

Die deutschen LHCb-Gruppen bringen in der internationalen Kollaboration ihre Expertise sowohl in Entwicklung und Bau als auch im Betrieb des Detektors ein. Die beteiligten Studierenden, Graduierten, Techniker*innen und Professor*innen haben sich dabei vor allem auf die Vorwärts-Spurkammern spezialisiert. So spielen die Wissenschaftler*innen in Heidelberg, Aachen und Dortmund eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung und dem Bau des sogenannten SciFi-Trackers und seiner Auslese-Elektronik. Die Universität Heidelberg leitet dieses Projekt in der internationalen Kollaboration.
Die TU Dortmund und die Universität Heidelberg führen außerdem die Entwicklung der einzigartigen „Trigger“-Software an, mit der alle Teilchen einer Kollision identifiziert und zurückverfolgt werden können. Diese Software dient dazu die interessanten Kollisionsereignisse herauszufiltern.
Darüber hinaus sind alle deutschen Institute auch maßgeblich an der der Analyse der gewonnenen Daten beteiligt. 

LHCb im Long Shutdown 2.
Foto © Julien Ordan, Maximilien Brice | CERN

Das Upgrade

Seit Beginn der Datenaufzeichnung am LHC im Jahr 2009 hat der LHCb-Detektor den weltgrößten Datensatz von b-Quark-Zerfällen aufgezeichnet. Das alleine schafft schon ideale Voraussetzungen für die detaillierte Untersuchung der B-Teilchen und die Suche nach seltenen Prozessen. Auch die vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen der letzten Jahre zeugen von diesem Erfolg.
Nach einer längeren Umbaupause für Beschleuniger und Detektoren läuft der LHC seit Juli 2022 mit noch höheren Energien und Kollisionsraten. Gleichzeitig wurden auch viele Komponenten des LHCb-Detektors ersetzt und auf den neuesten Stand gebracht. Seit diesem Upgrade kann LHCb alle 40 Millionen Ereignisse pro Sekunde in Software verarbeiten, um zu entscheiden, welche davon besonders interessant sind.

Eine neue Ära für den LHC
 

Um das Jahr 2030 wird eine neue Ära für den Large Hadron Collider beginnen: durch den Umbau zum sogenannten „High-Luminosity LHC“ soll die Kollisionsrate noch einmal um ein Vielfaches erhöht werden. Die Vorbereitungen hierzu laufen bereits auf Hochtouren, denn LHCb soll vollständig durch einen neuen Detektor ersetzt werden. Der neue LHCb-Detektor wird den schwierigeren Bedingungen, die der High-Luminosity LHC mit sich bringt, nicht nur gewachsen sein, sondern sie auch optimal nutzen können. Die deutschen LHCb-Gruppen sind hierbei vor allem an der Entwicklung der Spurdetektoren beteiligt.

News & Events vom FSP LHCb

Die Sprecherin des BMBF-Forschungssschwerpunkts LHCb, Prof. Dr. Stephanie Hansmann-Menzemer

Sprecherin des LHCb-Forschungsschwerpunkts

„Das LHCb-Experiment wurde gerade signifikant um- und ausgebaut. Die am FSP beteiligten Gruppen haben maßgeblich zum Design, dem Bau und der Inbetriebnahme des Fiber Trackers beigetragen und spielen eine führende Rolle im Real Time Analysis Projekt, dem neuen vollständig Software-basierten Trigger des LHCb-Experiments. Mit dem neuen Detektor steht uns eine sehr spannende Zeit der Forschung und Datenanalyse bevor.“

Prof. Dr. Stephanie Hansmann-Menzemer
Physikalisches Institut
Universität Heidelberg

Kontakt

Beteiligte Institutionen und assoziierte Mitglieder

Die deutschen Gruppen im FSP LHCb